Verein BI Unser Wasser in Lüneburg e.V.
130 % mehr Beregnung: Warum Niedersachsens Landwirte umdenken müssen
Niedersachsen reagiert auf die Folgen des Klimawandels mit dem sogenannten Masterplan Wasser. Im Mittelpunkt stehen Wasserrückhalt, ein sparsamer Umgang mit Grundwasser und eine klimafeste Landwirtschaft.
Vor einem Jahr hat das Umweltministerium (MU) in Hannover einen Entwurf für den sogenannten Masterplan Wasser veröffentlicht. Vergangene Woche hat Umweltminister Christian Meyer nun den finalen Plan vorgestellt. Niedersachsen soll sich damit auf die Folgen zunehmender Hitzewellen, Trockenheit und Extremwetter vorbereiten.
Rekord-Hitze in Westeuropa und auch in Niedersachsen
Der Juni war der wärmste jemals gemessene Monat in ganz Westeuropa und zeigte damit eindrücklich, wie notwendig die Präventionsarbeit in diesem Bereich geworden ist. Erstmals wurde in Niedersachsen zudem die 40-Grad-Marke erreicht – mit 40,1 °C in Lüchow. An 48 von 49 Messstationen des Landes wurden im Juni Hitzerekorde verzeichnet. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist es in Niedersachsen im Jahresmittel bereits 2,4 °C wärmer geworden. Durch die steigenden Temperaturen steigt die Verdunstung um etwa 20 % und die Wasserverfügbarkeit nimmt drastisch ab. Aktuell ist der Grundwasserstand bei fast der Hälfte der Messstellen (48,4 %) auf sehr niedrigem Niveau, nur 3,7 % der Messstellen im Land verzeichnen ein hohes oder sehr hohes Grundwasserniveau. Weitere 5,6 % der Messpunkte weisen sogar Rekordniedrigstände seit Messbeginn auf.
120 Millionen Euro für Klimaanpassung und Wasserschutz
Umweltminister Christian Meyer fasst die Herausforderungen in drei prägnante Handlungsfelder zusammen: „Zu wenig Wasser, zu viel Wasser und sauberes Wasser.“ Das Land unterstützt die Kommunen bei der Umsetzung von Maßnahmen mit dem geplanten Förderprogramm „Klima Kommunal Niedersachsen Invest“ (KliKoNI). Das Programm mit einem geplanten Gesamtvolumen von 120 Mio. € fördert Maßnahmen wie Hitzevorsorge, Schwammstadt-Infrastruktur, Entsiegelung, Hochwasserschutz und Begrünung, aber auch Klimaschutzmaßnahmen wie Wärme- und Kältekonzepte durch Großwärmepumpen. 90 der 120 Mio. € stammen dabei aus Mitteln des Sondervermögens „Infrastruktur und Klimaneutralität“ des Bundes, 30 Mio. € aus den Klimaschutzmitteln des Umweltministeriums. Abgewickelt werden soll das Programm für Landkreise und Gemeinden bürokratiearm und schlank. Kommunen können selbst entscheiden, welche Maßnahmen zum Hochwasser- oder Hitzeschutz sie priorisieren.
Beregnung in der Landwirtschaft braucht künftig deutlich mehr Wasser
Die Landwirtschaft ist im Masterplan in einer Doppelrolle vertreten. Sie ist zum einen massiv von den Klimafolgen betroffen, übt zum anderen aber gleichzeitig einen erheblichen Einfluss auf die Wasserverfügbarkeit aus. Besonders die landwirtschaftliche Feldbewässerung ist ein kritischer Faktor für die Mengen der Grundwasservorräte und der Bewässerungsbedarf wird künftig deutlich zunehmen. Während 2015 noch rund 254 Mio. m³ Grundwasser für die Beregnung entnommen wurden, könnte dieser Bedarf bis 2050 auf bis zu 598 Mio. m³ – ein Plus von über 130 % – ansteigen. Dieser Mehrbedarf wird sehr wahrscheinlich nicht allein durch die natürliche Grundwasserneubildung gedeckt werden können.
Regenwasser und gereinigtes Abwasser sollen Grundwasser entlasten
Um den Druck auf das Grundwasser zu senken, rückt die Substitution in den Fokus. Grundwasser soll, wo technisch möglich, durch alternative Quellen ersetzt werden. Hierzu zählen gespeichertes Regenwasser, Kanalwasser oder gereinigtes Abwasser. Pilotprojekte in Braunschweig und Wolfsburg erproben bereits die Nutzung von Abwasser aus kommunalen Kläranlagen für die Feldbewässerung. Der Masterplan sieht vor, diese Konzepte bei Erfolg landesweit zu prüfen, wobei strenge Qualitätsstandards für den Schutz von Umwelt und Gesundheit gelten.
Moorschutz: Perspektiven für landwirtschaftliche Betriebe
Ein besonders sensibles Thema für viele Betriebe ist der Moorschutz und das Land strebt eine Transformation hin zu einer moorschonenden Bewirtschaftung an. Gefördert werden soll die Bewirtschaftung nasser Moorflächen, etwa durch den Anbau von Schilf oder Rohrkolben. Wo eine vollständige Vernässung nicht möglich ist, wird die Umwandlung von Ackerland in extensives Dauergrünland als wichtiger Schritt zur Nährstoffreduktion und Emissionsminderung angesehen. Das Land betont hierbei das Prinzip der Freiwilligkeit und die Notwendigkeit, wirtschaftliche Perspektiven für die betroffenen Betriebe zu schaffen.
Grundwasserschutz: Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Wasserwirtschaft
Um Nährstoffeinträge ins Grundwasser zu verringern, gibt es inzwischen rund 375 Trinkwasserschutzkooperationen, in denen Wasser- und Landwirtschaft gemeinsam gewässerschonende Bewirtschaftungskonzepte umsetzen. Diese Zusammenarbeit soll gestärkt werden. Ergänzend dazu soll die Gewässerschutzberatung ausgebaut werden, um wassersparende Anbaumethoden und effiziente Bewässerungstechniken schneller in die Praxis zu bringen.
Landvolk fordert mehr Unterstützung für Betriebe
Hubertus Berges, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, unterstreicht die Bereitschaft der Bauern, sich auf den Klimawandel einzustellen, weist aber auf die wirtschaftlichen Realitäten hin. Angesichts niedriger Lebensmittelpreise sei es für Betriebe schwierig, hohe Investitionen in wassersparende Technik oder Speicherbecken allein zu stemmen.Das Landvolk begrüßt den Masterplan Wasser grundsätzlich, sieht den Erfolg jedoch maßgeblich von einer ausreichenden Finanzierung abhängig. Berges wünscht sich zudem, dass die Politik ihren Fokus vermehrt auf Anreize zur Versickerung von Oberflächenwasser von versiegelten Flächen und aus kaum verschmutzten Abwässern (Grauwasser) auf landwirtschaftlichen Flächen legen würde. Das könne laut Berges helfen, die Grundwasserstände aufzufüllen und im Sommer trockene Phasen besser abzupuffern. Insgesamt sei Wasser ein sehr komplexes Thema, das die Landwirtschaft in vielen Bereichen betreffe. „Wir sind dabei Betroffene und Teil der Lösung zugleich“, sagt Berges.
Masterplan Wasser setzt auf Vorsorge statt Schadensbeseitigung
Ein weiterer Schwerpunkt des Masterplans ist der Hochwasserschutz sowie der Schutz vor Starkregen. Dazu gehören die Instandhaltung und der Bau von Deichen, Talsperren, Hochwasserrückhaltebecken und Schöpfwerken. Zudem soll das Regenwasser in Städten nicht mehr primär durch die Kanalisation abgeleitet, sondern vor Ort versickert, gespeichert oder zur Kühlung genutzt werden. Wichtige Elemente sind die Entsiegelung sowie die Begrünung von Dächern und Fassaden. Zudem sollen dezentrale Speicher wie Zisternen verstärkt zum Einsatz kommen.Es ist sinnvoll und deutlich kostengünstiger, Prävention zu betreiben, als im Anschluss entstandene Schäden zu beseitigen. Als Beispiel nannte Christian Meyer die Flutkatastrophe im Ahrtal, für deren Wiederaufbau insgesamt 30 Mrd. € bereitgestellt wurden.
Land & Forst
Grundwasser in Lüneburg bleibt trotz Regen auf kritischem Niveau

Wahlprüfsteine OB-Wahl/Landratswahl 2026
Im Hinblick auf die Wahlen am 13. September 2026 möchten wir unseren Lesern*innen Informationen über die Absichten der Kandidaten ermöglichen, wie sie die Wasserkreisläufe und die Klimawandel-Folgen insgesamt bearbeiten wollen. Dazu stellen wir allen die folgenden Fragen, die möglichst innerhalb der nächsten 4 Wochen beantwortet werden sollen.
Grundwasser-Knappheit: Menschen in Niedersachsen sollen Wasser sparen

Boykott Lüne-Lauf 2026!

Boykott Lüne-Lauf 2026!
Wie unsere Mitglieder schon aus dem Mitgliederbrief wissen, werden wir als Verein den Lüne-Lauf am 08.05.2026 boykottieren und damit keine Startgelder für unsere Mitglieder übernehmen.
Nach der Erfahrung des letzten Jahres, als es für die Sportler am Ziel Vio Wasser aus Flaschen gab - teilweise in Pappbecher umgeschüttet! Wie kann man für ein Umweltprojekt einen Sponsorenlauf veranstalten und sich gleichzeitig von einem der größten Wasserräuber der Welt unser eigenes Wasser schenken lassen, das Coca-Cola unter unseren Füßen weggepumpt und als ViO in Flaschen gefüllt hat?! Nicht nur für unseren Verein, auch für die ganze Region, die für die Wertschätzung unseres Wassers sensibilisiert ist, ist das ein Schlag ins Gesicht.
Wir hatten mit der Organisatorin vom Lions-Club und dem Geschäftsführer von Avacon Wasser daraufhin mehrfach besprochen, dass 2026 eine Trinkwasserleitung mit mehreren Wasserhähnen installiert werden könnte, damit keine ViO-Flaschenwasser von Coca-Cola zum Einsatz kommt.
Leider hat sich die Organisatorin nicht an diese Absprache gehalten und trotz Rückfrage vor einigen Monaten, auf die hin signalisiert wurde, dass sie das bereits geregelt hätte, wieder ViO-Flaschen von Coca-Cola sponsern lassen.
Auch das Wasserforum für die Region Lüneburg e.V. boykottiert den Lüne-Lauf!
Wir werden in bewährter Form gegen diese Nachwehen der Coca-Cola-Geschichte protestieren. Wir freuen uns, wenn wir Unterstützung bekommen und treffen uns am 08.05.26 um 16h im Café Löwe-Hof - Ochtmisser Str.3, 21339 Lüneburg.

Boykott Lüne-Lauf und Einladung zum 26.05.26, 18h, Kalandstr. VHS-Raum EG
Aktuelles
Klimaschutz-Förderprogramme für Privates Wohneigentum/Balkonkraftwerke für Mieter
Wir von Unser Wasser schauen auch auf Themen um das Wasser herum, denn alles, was der Umwelt nutzt, ist auch für die Wasserkreisläufe bedeutsam. Sowohl die Hansestadt Lüneburg als auch der Landkreis Lüneburg haben Klimaschutz-Förderprogramme nicht nur für Zisternen zum Sammeln von Regenwasser und für Fassadenbegrünung, sondern auch für Heizungs-Optimierung, Regenerative Energien und energetische Sanierungen von Privatem Wohneigentum eingerichtet. Für Mieter werden Balkonkraftwerke gefördert. Die Einzelheiten können auf den Homepages der Hansestadt und des Landkreises Lüneburg angesehen bzw. per Mail erfragt werden.
Stadt: foerderung-klimaschutz@stadt.lueneburg.de Stadt: und
Landkreis: dorte.nette@Landkreis-lueneburg.de .
Es gilt sich zügig zu bewerben, denn die Fördertöpfe sind evtl. schnell aufgebraucht.

